Udo

Danuvius Guggenmosi

Der Sensationsfund aus Pforzen im Ostallgäu

Copyright Künstlerische Rekonstruktion: Velizar Simeonovski
Die Wanderausstellung wurde in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Ostallgäu erstellt.

"eine Sternstunde"

„Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie und ein Paradigmenwechsel“

Prof. Dr. Madelaine Böhme

"Sensationller fund"

„Ein sensationeller Fund auf bayerischem Boden, der für die Forschung einen herausragenden Wert hat.“


Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst

Steckbrief

Die Bezeichnung der Gattung ist abgeleitet vom keltisch-römischen Flussgott Danuvius und verweist auf den Fundort im Einzugsgebiet der Donau. Die Knochen von „Udo“ wurden in einem Flusssediment gefunden. Der zweite Teil des Namens, „guggenmosi“, ehrt den Entdecker des Fundorts Hammerschmiede, Siegulf Guggenmos (1941-2018).

Danuvius guggenmosi ist eine neue Art von Menschenaffen (Hominidae) die in 11,62 Mio. Jahren alten Flussablagerungen in der Hammerschmiede bei Pforzen (Landkreis Ostallgäu) entdeckt wurde. Die bisher 38 gefundenen Reste verteilen sich auf fünf Individuen (ein Männchen, zwei Weibchen, zwei Jungtiere). Die 21 meist kompletten Knochen des Männchens repräsentieren ca. 15 % des Skelettes und umfassen insbesondere Körperregionen, welche wichtig für die Interpretation des Bewegungsapparates sind. Die Fortbewegungsweise von Danuvius guggenmosi vereint Elemente des zweibeinigen aufrechten Gangs mit Elementen des Kletterns und Schwinghangelns. Körperbau, Körperhaltung und Fortbewegungsweise sind für einen Primaten bislang einzigartig. Der Brustkorb war flach und breit, die Lendenwirbelsäule verlängert, wodurch Danuvius seinen Körperschwerpunkt effektiv auf der gestreckten Hüfte und Knien halten konnte.

Der Fund der Überreste von Danuvius guggenmosi stellt das bisher geltende Modell, wonach die menschliche Evolution ausschließlich in Afrika stattfand, grundlegend in Frage. Vor dem Fund waren die ältesten Belege für den aufrechten Gang etwa sechs Millionen Jahre alt und stammten aus Kenia und von Kreta. Mit Danuvius guggenmosi rückt Bayern ins Rampenlicht der Evolutionsforschung.²

Danuvius guggenmosi ist auch bekannt unter dem Spitznamen „Udo“.  Am 17. Mai 2016 endeckte das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Madelaine Böhme die ersten Überreste von Danuvius guggenmosi in der Tongrube Hammerschmiede. Dieser Tag war auch der 70. Geburtstag des Musikers Udo Lindenberg. Seine Songs liefen an diesem Tag rauf und runter. Das gab den Forschern den Anlass, ihren Fund „Udo“ zu nennen.

„Udo“ war nach Einschätzungen der Paläontologen ca. 1 Meter groß und dürfte 31 Kilogramm gewogen haben. Die Weibchen – von denen ebenfalls Teile eines Exemplars in der Tongrube Hammerschmiede gefunden wurden – ca. 18 Kilogramm.

Bäume bildeten Udo´s Hauptlebensraum, es kann aber davon ausgegangen werden, dass er diese auch verlassen konnte und sich ebenso zweibeinig am Boden fortbewegte.

Die Auswertungen des Senckenberg-Instituts lassen den Schluss zu, dass sich der aufrechte Gang der Hominiden in Bäumen entwickelte. Die anatomischen Besonderheiten von „Udo“ zeugen von einer neuen Fortbewegungsweise, dem Kraxeln mit gestreckten Gliedmaßen. Sie kann als Ausgangspunkt sowohl für den aufrechten, terrestrischen Gang als auch für das vierfüßige Klettern angesehen werden. Nach dieser Hypothese wäre Danuvius guggenmosi funktionell ein Bindeglied von Mensch und Menschenaffe.

Die Datierung der Danuvius-Funde auf 11,62 Milllionen Jahre zeigt, wie weit die Wurzeln der zweibeinigen Fortbewegungsweise in die Vergangenheit zurückreichen – nämlich doppelt so lange wie bisher vermutet. Und sie liegen nicht in Afrika, wo man lange Zeit die Wiege der Menschheit vermutete, sondern in Europa!

Quelle: Wikipedia

²Quelle: Bayerischer Archäologie, Ausgabe 1/2020 + Ausgabe 4/2020

³Quelle: Prof. Dr. Madelaine Böhme: Jahresbericht 2019, Senckenberg Institut

Quelle: Prof. Dr. Madelaine Böhme: „Hammerschmiede – Das Ostallgäu vor 11,5 Mio. Jahren – Einblicke in die frühe menschliche Evolution“

Quelle: Südwest Presse, Interview mit Prof. Dr. Madelaine Böhme vom 20.08.2020

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Fundort

Die Tongrube Hammerschmiede befindet sich in der Gemeinde Pforzen (ca. 2.300 Einwohner) im Landkreis Ostallgäu, wenige Kilometer nordwestlich von Kaufbeuren am westlichen Hang des Tales der Wertach. Der Fundort kann als wichtigste paläontologische Entdeckung Deutschlands in den letzten Jahrzehnten angesehen werden.

Die Region um Kaufbeuren war zu Udo’s Zeit sehr eben. Es gab einige Flüsse, die sich von Süden nach Norden zogen. Die Landschaft war sehr offen, es herrschten eher braune Töne. Die Tierfunde deuten darauf hin, dass es eine Aue um die Flüsse herum gegeben haben muss, sowie große Flächen die aus Gras und Kraut bestanden haben. 

Die Hammerschmiede ist die erste Menschenaffen-Fundstelle Bayerns, die dritte aus Deutschland (zwei württembergische Fundstellen lieferten nur fragmentäre Zähne) und die bedeutendste aus West- und Mittel-Europa. Die Hammerschmiede zählt im weltweiten Vergleich zu den reichsten fossilen Wirbeltier-Fundstellen. Die hohe Artenzahl ist mit derzeit 115 Spezies von Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren belegt. Bisher konnten ca. 15.000 paläontologische Funde aus einer Abgrabungsfläche von ca. 1100 m² geborgen werden. So wurden in der Hammerschmiede u. a. die Überreste von Riesensalamandern, Schnappschildkröten, Nashörnern, Hirschferkeln, Moschustieren, Waldantilopen, Hundebären, Säbelzahnkatzen und Pandas gefunden. Einige dieser Arten sind neu für die Wissenschaft, von vielen liefert die Hammerschmiede das beste Material. Die Mehrzahl der Funde sind isolierte Knochen und Zähne. Komplette Kiefer kommen jedoch ebenso vor wie Teilskelette. Ein spektakulär gut erhaltener Schädel der 2019-Grabung trägt die Merkmale eines Kranichs. Im Gegensatz zu den meist historischen Fundstellen, kann in der Hammerschmiede mit modernen Methoden aktiv gegraben werden. Für die Zukunft werden noch weitere spektakuläre Menschenaffen-Fossilien erwartet.

Auch fossile Pflanzenreste liegen in Form von Hölzern, Blättern und Pollen vor. Es konnten 50 Pflanzenarten belegt werden, darunter 13 Farne, 13 Nadelgehölze und 20 Blütenpflanzen. Die Blütenpflanzen zeigen einerseits freie Wasserflächen an (Rohrkolben, Seerosen) und andererseits liefern sie Hinweise auf die Existenz von Auwäldern (Ulme, Erle, Flügelnuss, Hickory, Birke und die tropische Walnuss) und Hochwäldern (Buche, Eiche, Hainbuche, Amberbaum).

Die Hammerschmiede ist mit durchschnittlich 6 – 13 Funden pro Person und Tag eine sehr motivierende Fundstelle für Gräber.² Die Tongrube Hammerschmiede ist ein Schatz für die Paläontologie und Paläoanthropologie, welcher die Erforschung der Evolution der Hominiden (=Menschenaffen) und vieler anderer Wirbeltiere entscheidend voranbringen wird.

Entdeckt wurde der Fundort von Siegulf Guggenmos (1941-2018) aus Dösingen (Landkreis Ostallgäu). Der Hobbyarchäologe und Träger des Bayerischen Archäologiepreises 2004 war der Erste, der 1972 in der Tongrube grub. Leider verstarb er völlig unerwartet am 28.09.2018 und konnte den Sensationsfund bedauerlicherweise nicht mehr miterleben. Ihm gilt jedoch ein ganz besonderer Dank. Siegulf Guggenmos hat nachfolgende Experten auf Udo’s Spur gebracht. Ohne seine Pionierarbeit wäre Udo wohl nie entdeckt worden.

Die Gemeinde Pforzen bedankt sich außerdem bei der Eigentümerfirma „Martin Fleschhut GmbH & Co. KG“ und der Pächterfirma „Geiger GmbH & Co. KG“ für die Zusammenarbeit.

 

Quelle: Wikipedia

²Quelle: Bayerischer Archäologie, Ausgabe 1/2020 + Ausgabe 4/2020

³Quelle: Prof. Dr. Madelaine Böhme: Jahresbericht 2019, Senckenberg Institut

Quelle: Prof. Dr. Madelaine Böhme: „Hammerschmiede – Das Ostallgäu vor 11,5 Mio. Jahren – Einblicke in die frühe menschliche Evolution“

Quelle: Südwest Presse, Interview mit Prof. Dr. Madelaine Böhme vom 20.08.2020

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Zeitreise

Der Fund in Bildern

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